Windkraftgegner provozieren

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Leserbrief

 

Dass Frau Redakteurin Balleier bekennende Gegnerin all jener ist, die sich kritisch gegenüber Windkraft äußern, ist aufgrund hinlänglich bekannt. Frau Ballmeiers völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen und Mutmaßungen in ihrem Artikel über die Amorbacher Stadtratssitzung „Windkraftgegner provozieren Ärger“ bedürfen der Erwiderung:

 

1. Die Mitglieder der Bürgerinitiative BI-Naturpark Boxbrunn sind keine Windkraftgegner und wollen auch keinen Ärger provozieren. Wir befürworten den Ausbau der Energiegewinnung durch Windkraft, aber nur an ökonomisch sowie ökologisch sinnvollen Standorten und somit nicht im Naturpark.
Auf der Boxbrunner Höhe ist das Habitat geschützter Arten wie Rotmilan, Schwarzstorch und Fledermäusen. Diese unterliegen dem Tötungsverbot des § 44 BNatSchG.
Es ist Aufgabe der Stadt Amorbach, die Einhaltung von Naturschutzgesetzen auf ihrem Gebiet sicherzustellen. Sie kann sich dabei nicht auf von dem Betreiber der WKAs beauftragte und bezahlte Gutachten herausreden, die in Rahmen eines Genehmigungsverfahrens zukünftig erstellt werden sollen.
Die dortigen Aussagen zum Tötungsrisiko bedrohter Arten sind leider häufig falsch. So wurde z. B. im Windpark Hainhaus ein relevantes Vorkommen der Mopsfledermaus nicht berücksichtigt (siehe Bericht im „Boten“ vom August 2015).
Trotz artenschutzrechtlicher Gutachten für jede einzelne Anlage sterben in Brandenburg – vorsichtig geschätzt – ca. 3,5 % der dortigen Rotmilanpopulation durch WKAs (Siehe Bericht der Deutschen Volgelschutzwarten vom April 2015).

 

 

2. Entgegen der Behauptung von Frau Balleier sind weder Mönchberger noch Miltenberger Windkraftgegner in Boxbrunn tätig.
Die BI-Naturpark Boxbrunn geht einzig und allein aus der Initiative der Boxbrunner Bürger hervor, die sich endlich Gehör verschaffen möchten bei den Verantwortlichen der Stadt.
Das von mangelndem Demokratieverständnis getragene Verhalten der Stadtoberen in Amorbach ist pressebekannt und hat sich über die Grenzen des Landkreises hinaus herumgesprochen.
Es ist somit nicht verwunderlich, dass auch Mönchberger gegenüber dem 1. Bürgermeister Kritik anmelden.
Dass im gesamten Naturpark Bayrischer Spessart der Bau von WKAs nicht erlaubt wird, hat seine guten Gründe, die auch für den Naturpark Bayrischer Odenwald gelten.

 

 

3. Entgegen der Behauptung von Frau Balleier ging die Bürgerbefragung in Boxbrunn insbesondere darauf zurück, dass der 1. Bürgermeister es ablehnte, eine solche Befragung bei uns zuzulassen. Unter Mithilfe des Ortssprechers konnte dann fast jeder Boxbrunner einzeln befragt werden, ob er für oder die gegen die WKAs ist oder sich enthält. Die Liste, wonach eine drei Viertel Mehrheit sich gegen die WKAs ausgesprochen hat, liegt 1. Bürgermeister und Stadtrat vor, findet dort aber keine Beachtung.

 

 

4. Unzutreffend führt Frau Balleier aus, dass in Boxbrunn ein „kleiner Windpark“ errichtet werden soll.
Mit einer Höhe von 207 m und bis zu 7.000 Tonnen Stahl und Beton je Anlage handelt es sich bei den vier WKAs um eine große Industrieanlage. Weitere WKAs befinden sich auf hessischer Seite. Es würde also zu einer Konzentration riesiger Industrieanlagen im Naturpark kommen, jede einzelne weitaus höher als der Kölner Dom.

 

 

5. Unter Verstoß gegen die 10H-Regelung sollen die WKAs in einem Abstand von nur 1.600 m zur Wohnbebauung errichtet werden. Es müsste ein Abstand von mindestens 2.000 m eingehalten werden. Ohne nähere Begründung hat der 1. Bürgermeister hierzu behauptet, dass die 10H-Regelung für die WKAs in Boxbrunn nicht gilt. Besorgte Einwände der Bürger vor Ort wegen gesundheitlicher Gefahren durch Lärm, Infraschall und Schattenwurf werden von 1. Bürgermeister und Stadtrat nicht ernstgenommen, Kritiker werden diffamiert.

 

 

6. So stellte sich ein von der Stadt Amorbach organisierter sogenannter „Bürgerdialog“ als Marketingveranstaltung heraus, in der unter Mitwirkung der Energiegenossenschaft Untermain (EGU) und dem Windradhersteller Enertec die Bürger davon überzeugt werden sollten, dass es für die Boxbrunner finanziell von Vorteil ist, wenn im Boxbrunner Naturpark statt des Rotmilans Windräder kreisen. Es wurden generöse Entschädigungen für Waldbesitzer und großzügig Spenden an örtliche Vereine versprochen. Jedwede öffentliche Kritik wurde teilweise ehrverletzend vom 1. Bürgermeister gemeinsam mit Herrn Paulus von der EGU unterbunden. Der Verlust von unberührter Natur, Gesundheit und Wohnqualität lässt sich nicht mit Geld aufwiegen!!!

 

 

7. Auch der vom Stadtrat gebetsmühlenartig wiederholte Hinweis auf die von der EGU behauptete Wirtschaftlichkeit der WKAs im 25 km weit entfernten Hettingen ist wenig belastbar. Verlässliche Hinweise kann der nur ca. 6.000 m zu Boxbrunn benachbarte Windpark Hainhaus geben. Die Gemeinde Lützelbach häuft Jahr für Jahr hohe Verluste an. Dies ist mittlerweile stadt- und pressebekannt. Hinweise hierzu nennt Stadtrat Bernd Schötterl dann „unverschämt“.

 

 

Abschließend der Hinweis: Ein „Kaspertheater“, wie Stadtrat Schötterl ausführt, findet jedenfalls bei uns in Boxbrunn nicht statt. Wir von BI-Naturpark Boxbrunn wünschen uns einen sachlichen und demokratischen Dialog unter gleichberechtigten Partnern mit den Verantwortlichen der Stadt Amorbach. Wir hoffen, dass 1. Bürgermeister und Stadtrat endlich verstehen, dass sie lediglich Mandatsträger sind und in einer Demokratie der Bürger der Souverän ist. Dann dürfte es diesen Herren auch nicht mehr schwer fallen, der Boxbrunner Bevölkerung Gehör zu schenken.

 

TINA MÜLLER

SPRECHERIN DER BÜRGERINITIATIVE NATURPARK BOXBRUNN


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