Leserbrief zum Artikel Ökostrom-Ausbau kommt voran

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Mit der Behauptung einer angeblichen naturschutzrechtlichen Unbedenklichkeit des Standorts Boxbrunn für den Bau von Windkraftanlagen setzt sich Herr Vorstand Paulus von der Energiegenossenschaft Untermain (EGU) in krassen Widerspruch zu seinen eigenen Bekundungen bei der Bürgerversammlung in Boxbrunn im Dezember 2015.
 
Dort hat Herr Paulus nämlich gegenüber der Boxbrunner Bevölkerung erklärt, dass die avifaunistische Datenerhebung für den Standort Boxbrunn den streng geschützten Schwarzstorch nachgewiesen hat (siehe Boten vom Untermain vom 09.12.2015). In diesem Zusammenhang wird Herr Paulus wörtlich wie folgt zitiert: „Deshalb werden auf jeden Fall Standorte wegfallen.“
 
Wie das mit seiner jetzt gegenüber den Mitgliedern der EGU gemachten Aussage vereinbar ist, wonach erste Ergebnisse eben dieser avifaunistischen Datenerhebung zeigen sollen, dass beim Standort Boxbrunn keine naturschutzrechtlichen Gründe dem Bau von Windkraftanlagen entgegenstehen würden, mag Herr Paulus einmal anhand der Daten dieser avifaunistischen Erhebungen erläutern.
 
Diese Daten legt Herr Paulus jedoch nicht vor.
 
Das Vorkommen des Schwarzstorchs in Boxbrunn kann jedenfalls nicht ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Allein dessen Vorkommen, bedeutet vielerorts das Aus für Windkraftprojekte wie z. B. im hessischen Sensbachtal (siehe Artikel im Odenwald-Echo vom Februar 2016 „Über Sensbach will keiner mehr bauen“).
 
Auch den positiven Aussagen zur Wirtschaftlichkeit der Standorte Boxbrunn und Mainbullau vor den Mitgliedern der EGU ist mit Vorsicht zu begegnen. Hier werden bei den Mitgliedern der EGU Renditeerwartungen geschürt, ohne hierzu Zahlen offenzulegen.
 
Tatsache sind die pressebekannten großen Verluste, die die Gemeinde Lützelbach mit ihrer Windparkbeteiligung im nicht weit von Boxbrunn entfernten hessischen Hainhaus Jahr für Jahr einfährt. Auch hier haben die Windparkbetreiber den Anlegern hohe Gewinne prognostiziert. Diese positiven Prognosen haben sich in der Realität als völlig illusorisch erwiesen. Jetzt haben die Anleger den Schaden.
 
Nicht weg reden lassen sich auch die zahlreichen fachlich fundierten Nachweise über das Vorkommen schlagrelevanter Arten wie z. B. Schwarzstorch, Rotmilan und Mopsfledermaus – nicht nur in Mainbullau und Boxbrunn -, welche im Zonierungsverfahren der Regierung von Unterfranken Berücksichtigung finden.
 
Dem Bau von Windkraftanlagen im Bayrischen Odenwald steht zunächst einmal die hohe Hürde des Zonierungsverfahrens entgegen. Dort zählen Fakten und nicht die leeren Versprechungen der Windindustrie.
 
Tina Müller | Sprecherin der Bürgerinitiative


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